Seit heute, lese ich in der „La Vanguardia“, ist die Trockenheitsverordung von der katalanischen Regierung nach 650 Tagen aufgehoben worden. Möglich ist dies nur, weil nun auch die letzte der betroffenen Regionen nicht mehr in Alarmzustand ist. Die Versorgung sei gesichert, die Stauseen seien durchschnittlich zu 77 Prozent gefüllt. Es können also ab sofort wieder jede Nacht Straßen mit Wasser gereinigt, private Schwimmbäder gefüllt, Autos gewaschen und die Sprenganlagen von Parks und Gärten wieder eingeschaltet werden.
Ende gut – alles gut?
Dazu erlaube ich mir einen kleinen Regen-Rückblick:
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Schon in meinem ersten Jahr hier, das heißt ab November 2004 erlebt Spanien die schlimmste Trockenheit seit 125 Jahren. Und ich genieße meinen sonnenreichsten Winter seit Lebzeiten, vorzugweise mit café con leche vorm „Els Tres Tombs“ in der Ronda St. Antoni 11 (fürs Sonnetanken im Winter schwer zu empfehlen. Witzig: Beim Adresse-Suchen seh ich, dass ein Travel Guide passend dazu schreibt:

Els tres tumbs im Winter
“The facade is pure ’70s, the waiters are distinctly old-school, and the placement of the terrace ensures it receives more direct sunlight that just about any bar in Barcelona.”
ok, ich komme mal wieder zum Thema…
- Auch in den folgenden Wintern genieße ich meist blauen Himmel. Regentage? Pustekuchen. Nur ausnahmsweise, z.B. wenn Besuch aus Deutschland kommt. So werd ich nie den Kübel-Eimer-Dauer-Regen in der Oktoberwoche 2005 vergessen, wo mich Sabine und don Pedro beehrten. Vor lauter Regenschirmen und nassen Klamotten konnte man kaum noch durch die Wohnung gehen. Und eine Metro-Station musste schließen, weil mit Wasser zugelaufen. Die anderen funktionieren, aber auch hier kommen Baulücken direkt zum Vorschein, sichtbar durch Sandhaufen, die die Tropfen auffangen. Übrigens ein immer wiederkehrendes Phänomen, auch in neu gebauten Metro-Stationen.
Als meine big sis im April 2007 mit Jan im Schlepptau zum Osterurlaub anrückte, gehörten dicke Jacken und Regenschirme auch zum Standardoutfit. - Ansonsten eben trocken, im Sommer heiß und trocken. Die sonst im Winter sich wieder auffüllenden Wasserreservoirs blieben auch im Januar 2008 auf gleichem Niedrigststand. Und kein Regen in Sicht.
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embalse de Sau
Februar 2008: Die Embalse de Sau führts klar vor Augen, genauer die alte Kirche von St. Romà, die eigentlich vor 50 Jahren zu Francozeiten mitsamt Dorf in den Tiefen der Talsperre verschwunden ist. Der Wasserstand des nördlich von Barcelona gelegenen Wasserreservoirs ist so niedrig, dass die alte Dorfkirche komlett wieder zu sehen ist. Ich hab’s nicht live gesehen, aber das Bild hat inzwischen Symbolcharakter für die Dürre, so dass es in jeder Tageszeitung auftaucht.
- April 2008: Der Bürgermeister Jordi Hereu garantiert jedem Mitbürger das Recht auf Wasser: “Cal garantir el dret de tots els ciutadans a l’aigua”.
Damit will er der Angst der Bevölkerung entgegnen, die vor allem vor Zwangsabschaltungen des Wasserhahns fürchtet. Alpträume haben vor allem die Hotel- und Restaurantbetreiber, die sich schon vorstellen, dass sie irgendwann ihren Gästen erklären müssen, dass die Küche leider geschlossen, wird, weil kein sauberes Geschirr mehr da ist. Oder man stellt sich schon den Hoteldirektor vor, der den Touristen das allgemeine Duschverbot erkärt.
Auf jeden Fall beschliesst die Generalitat, dass ab sofort der Wasserhahn der öffentlichen Springbrunnen abgestellt wird und das Giessen von privaten Gärten und Füllen privater Schimmbäder verboten ist, siehe Video:
Hier auch ein Video von Spiegel Online zum Thema Jahrhundert-Dürre.
- ENDLICH, alles neu macht der Mai! Es regnet, und zwar nicht nur ein bißchen, sondern ungewöhnlich stark. Gleichzeitig kommen erste Schiffe mit Trinkwasser nach Barcelona. Ich fand das so unglaublich, dass ich mir den Artikel aufbewahrt hatte. Man staune:
1 Schiff = Tagesbedarf für etwa 170.000 Personen => reicht gerade mal für ein Zehntel der 1,7 Mio Einwohner von Barcelona (offiziel, aber geballt leben hier mehr als 3 Mio. Menschen). Die Kosten, die im folgenden Clip erwähnt werden: 22 Mio. Euros pro Monat für die Versorgung von 6% der Bevölkerung von Barcelona! Das war zumindest als Notlösung vorgesehen.
Ironie des Schicksals also, dass die esten Schiffe ausgerechnet eintrudeln, als Barcelona gratis von oben mit dem wertvollen Nass bedient wird. - Von Mai bis Juni fast ununterbrochenes Wolkenspiel am Himmel, intensive Regengüsse und Überschwemmungen inklusive. Der Sommer will überhaupt nicht anfangen, Mitte Juni wird’s dann endlich richtig warm.
- Im Herbst geht’s weiter mit den Güssen, die wieder für Rekordüberschwemmungen und -verwüstungen sorgen. Gleichzeitig ist die Verordnung weiter in Kraft, d.h. weiter…
… ungewaschene Autos fahren
… an trockenen Brunnenanlagen vorbeispazieren und
… das ganze Jahr über das hauseigene Schwimmbad brach liegen lassen
Das sorgt natürlich für polémica, viele halten die Verordnung für übertrieben.
So, das alles ist nun also vorbei, lese ich, es gibt keine Verorgungsengpässe mehr. Immerhin beschließt die Generalitat de Catalunya, dass die Straßenreinigung (in Barcelona also die mit BCNeta! beschrifteten Brummis – ein eigenes Thema wert übrigens
und die Brunnen nun noch mit agua freática, also Grundwasser in Betrieb genommen werden dürfen. In Barcelona sind das derzeit etwa die Hälfte der 285 Brunnen, die restlichen bleiben vorerst trocken.
Doch was passiert in den nächsten Jahren? Welche wassersparenden Maßnahmen sind vorgesehen? Was ist mit den vielen Wasserleitungen, die Lecks haben, wie im Sommer bekannt wurde?
Nada! Nichts! Zumindest lese ich derzeit weder was von Wasser sparen, noch sehe ich dieses Thema in irgendwelchen Kampagnen. Energie sparen ja, das läuft sogar im Fernsehen, aber was ist aus dem Expo-Thema Agua y desarollo sostenible geworden? Warten wir’s ab…
Ich hab jetzt jedenfalls oft die Gießkanne im Badezimmer stehen, weil ich morgens zuerst dusche und es so lange dauert, bis das Wasser warm wird. So freuen sich auf einmal die Balkonblümchen über den zusätzlichen Guss, gaaaaaaaaaaanz doll!